Emil Nolde Ausstellung
- Von: 25.09.2008
- Bis: 19.01.2009
- Ort: Paris
Emil Nolde Ausstellung
Agenda
Vom 25. September 2008 bis 19. Januar 2009Praktisch
Grand Palais, Paris
Der deutsche Expressionismus ist in Frankreich ein neues Thema. Emil Nolde (1867-1956), einem der führenden Vertreter dieser Richtung, war hier bisher noch keine Retrospektive gewidmet. Erstmals würdigt Frankreich diesen großartigen Künstler der Moderne mit einer Ausstellung, die 90 Ölbilder (darunter das außergewöhnliche Polyptychon "Das Leben Christi" der Nolde-Stiftung in Seebüll, Deutschland) und 70 Aquarelle, Druckgrafiken und Zeichnungen vereint.
Die Ausstellung folgt einem in zwölf Themenbereiche eingeteilten, chronologisch gestalteten Parcours (Der Zauberberg, Ein Land, Jahre des Kampfes, Bibeln und Legenden, Das druckgrafische Werk (2), Berliner Nächte, Welt, Heimat, Phantasien und "nicht gemalte Bilder", Das Meer und Die Jahreszeiten).
Für das breite Publikum eine Entdeckung, für Kenner eine einmalige Gelegenheit, die aus aller Welt zusammengetragenen Bilder zu sehen, die die Gesamtheit seines Schaffens illustrieren.
Nolde war zunächst Holzschnitzer und -bildhauer und kam erst spät zur Malerei. 1900 zur Ausbildung in München und Paris, fiel er durch seine wilde Malerei, die vom Einfluss Van Goghs zeugt, sehr schnell auf. Die jungen Brücke-Künstler baten ihn um Beistand: bis zu seinem Ausschluss aus der Berliner Sezession 1911 setzte er sich an allen Fronten für die Forderung nach einer Erneuerung der Kunst ein. Der rüde und zugleich aufgeschlossene Bauernsohn, der zeitlebens im Zwiespalt zwischen seiner Verwurzelung mit der schleswigschen Erde an der dänischen Grenze und der Faszination für die Metropole Berlin, seinem Hang zur Einsamkeit und dem gesellschaftlichen Spektakel, lebte, schuf ein einmaliges Werk, das auf viel Unverständnis stieß. 1937 wurde er vom Nazi-Regime auf die schwarze Liste gesetzt und war "Star" der Ausstellung so genannter "Entarteter Kunst"; 1941 erhielt er Malverbot. Seine internationale Anerkennung ließ nach dem Krieg nicht lange auf sich warten. Nolde galt zu seinen Lebzeiten als einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit.
Bemerkenswert ist das Werk Noldes durch seine außergewöhnlichen Farbharmonien, eine konzessionslose Linienführung und einen unübertroffenen narrativen Schwung. Sein Augenmerk galt insbesondere dem Menschen, meisterhaft wiedergegeben in den Porträts, den Mutter-und-Kind-Bildern, den Ehepaaren. Die Landschaften und Stillleben sind Farbträumereien, in denen die Betrachtung des täglichen Lebens, der Natur durch die dreiste Farbpalette verklärt wird. Die religiösen Themen brechen völlig mit allen bisherigen Versuchen in diesem Bereich in moderner Zeit. Sie zeugen von dem Bemühen, die Wurzeln eines ursprünglichen, den Menschen vertrauten Glaubens wieder zu finden. Nolde malte die soziale Bühne wie die gesamte Menschheit, einmal beißend, dann wieder heiter. Er erreichte ein für seine Zeit hohes Alter - 89 Jahre -, durchlebte zwei Kriege und hinterließ ein umfangreiches Werk, das auch heute noch mit der jüngsten zeitgenössischen Kunst kommuniziert.
- Aktualisiert am: 16.10.2008

