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Kolloquium "Nachhaltige Landwirtschaft und Pestizide"

M. Barnier - N. Kosciusko-Morizet, © Pascal Xicluna / Min.Agri.Fr M. Barnier - N. Kosciusko-Morizet © Pascal Xicluna / Min.Agri.Fr
  • Von: 25.11.2008
  • Bis: 26.11.2008
  • Ort: Paris, Centre de conférences internationales

Zu dem vom französischen Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei veranstalteten Kolloquium "Nachhaltige Landwirtschaft und Pestizide", das am 25. und 26. November 2008 in Paris stattfand, kamen mehr als 200 Teilnehmer zusammen, um über das sehr komplexe, aber wichtige Thema der nachhaltigen Nutzung von Pflanzenschutzmitteln zu diskutieren.

Einen Monat vor dem Ende der französischen EU-Ratspräsidentschaft und in der Kernphase der europäischen Verhandlungen über das Pestizid-Paket kamen Europäische Kommissare und Parlamentarier, Forscher, Evaluierungsagenturen, Landwirtschaftsverbände usw. zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Gegenstand der Debatte waren zwei Richtlinien. Die erste (Nr. 91/414/EG) betrifft die Novellierung des Regelwerks über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln. Die zweite (Richtlinie über die nachhaltige Nutzung der Pestizide) ist noch in der Diskussion und zielt darauf ab, die Reduzierung der Risiken und des Gebrauchs von Pestiziden genau zu beziffern.

Paola Testori-Coggi, stellvertretende Leiterin der Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz der Europäischen Kommission, erinnerte an die Notwendigkeit, "die gesamte verfügbare industrielle und landwirtschaftliche Forschung zu mobilisieren, um weniger toxische technische Lösungen zu finden, die mit der Erzielung neuer Produktivitätsfortschritte vereinbar sind".

Zwar ist die Einwirkung der Pestizide auf die Umwelt und die Gesundheit schwer zu quantifizieren, aber die schädlichen Auswirkungen bestimmter Phytopharmaka sind jetzt bestens bekannt. In Europa sind krebserregende, mutagene, teratogene (embryotoxische) oder endokrin wirksame Stoffe (Hormone) in Zukunft verboten. Zugelassen sind heute 232 Produkte, gegenüber ca. 1000 im Jahre 1998. Dagegen werden für die gering toxischen Produkte die Verwaltungsverfahren vereinfacht.

Die Schwierigkeit für die politischen Entscheidungsträger liegt in der Abwägung zwischen umweltpolitischer Verantwortung, Gesundheitsschutz… und Nahrungsmittelsicherheit, "der größten Herausforderung auf dem Planeten", betonte Christa Klass, die EP-Berichterstatterin über den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden. Die Botschaft ist demnach klar und wird mehrheitlich geteilt: Man kann nicht das Risiko eingehen, durch ein Verbot der Nutzung von Pestiziden die Ernten zu gefährden. Die Phytopharmaka sind unverzichtbar, um die Pflanzen vor bestimmten Krankheiten zu schützen, "sie müssen aber intelligent und nachhaltig eingesetzt werden", fügte sie hinzu.

Die Besonderheiten jedes Mitgliedstaates "müssen in den angepassten nationalen Plänen berücksichtigt werden", erklärte Michel Barnier, der französische Minister für Landwirtschaft und Fischerei, im Einklang mit den europäischen Empfehlungen. In Frankreich zum Beispiel sieht der Plan "Ecophyto 2018" im Rahmen des Umwelt-Grenelle eine Halbierung des Einsatzes von Pestiziden in den nächsten zehn Jahren vor.

Die Europäische Union will im Rahmen der nachhaltigen Nutzung von Pestiziden eine gemeinsame Politik des "integrierten Schutzes" verfolgen. Diese Strategie, die auf weniger Pestizide und mehr alternative Produkte setzt, soll bis 2014 die Regel sein. Eine sehr kurze Frist, nach Meinung der Fachleute. "Das wird die Produktionssysteme tiefgreifend verändern", warnt Pierre Stengel, Forschungsleiter des INRA. "Wir müssen auf nationaler und regionaler Ebene Aus- und Weiterbildungen für die Landwirte sowie unabhängige und kompetente Berater vorsehen".

 

© Brice Amouroux - Min.Agri.Fr

  • Aktualisiert am: 26.12.2008
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