Bericht von der internationalen Konferenz über Ernährungsfragen mit dem Titel "Wer wird die Welt ernähren?"
François Traore stellt sein Buch Michel Barnier vor
© Cheick Saidou / MAP
- Datum: 03.07.2008
- Ort: Brüssel
Im Europäischen Parlament in Brüssel fand am 3. Juli 2008 eine internationale Konferenz über Ernährungsfragen statt. Über die allgemeinen Diskussionen des Rom-Gipfels der Welternährungsorganisation (FAO) im Juni hinaus stimmten die Redner darin überein, dass konkrete Maβnahmen ergriffen werden müssen und riefen zum Beispiel auf, die lokalen Agrarmärkte zu fördern.
Unter dem Titel „Verstehen um zu handeln“ könnte man die Ziele der internationalen Konferenz über die weltweiten Herausforderungen im Ernährungsbereich, die am 3. Juli im Europäischen Parlament in Brüssel stattfand, zusammenfassen. Auf Initiative des französischen Ministers für Landwirtschaft und Fischerei Michel Barnier und der Europäischen Kommission kamen knapp 800 Teilnehmer, darunter mehrere Minister und Europäische Kommissare sowie zahlreiche Vertreter aus dem Agrarbereich und aus der Zivilgesellschaft, zusammen. Die Konferenz sollte als Forum für den Austausch von Erfahrungen dienen und damit Entscheidungen für die Zukunft vorbereiten.
Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, erinnerte an die Notwendigkeit, globale Antworten auf die dringliche Frage „Wer wird die Welt ernähren?“ zu finden. Bei der ersten Sitzung der Veranstaltung, die Reden von Michel Barnier, von der Europäischen Kommissarin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Mariann Fischer Boel und dem Europäischen Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe Louis Michel beinhaltete, wurde eine groβe Bandbreite an Themen behandelt (landwirtschaftliche Erträge, Weltmärkte, hohe Rohstoffpreise, Umweltschutz, Umgang mit den Wasserressourcen, Klimawandel). Erik Orsenna, renommierter Schriftsteller und Vize-Präsident von FARM (Fondation pour l’agriculture et la ruralité dans le monde), gab der Situation seine ganz eigene Lesart und sprach vom „groβen Comeback der Realität“ mit dem Hinweis, dass jedes landwirtschaftliche Produkt sozusagen die für seine Herstellung notwendige Menge an Wasser in sich trage. Und unterstrich somit die Omnipräsenz umweltrelevanter Fragen.
Der stellvertretende Generaldirektor der französischen Forschungsagentur (ANR) Michel Griffon und der Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (IFPRI) Joachim von Braun bereicherten die Veranstaltung mit ihren Erfahrungen. Gegen Ende des Vormittags präsentierte Letizia Moratti, die Bürgermeisterin von Mailand, die Weltausstellung 2015, die die Hauptstadt der Lombardei unter das Thema „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ stellt.
Im Laufe des Nachmittags diskutierten im Rahmen eines Rundtischgesprächs unter anderem Jacques Diouf, Generaldirektor der Welternährungsorganisation, Aziz Akhannouch, marokkanischer Minister für Landwirtschaft und Fischerei, und Neil Parish, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments, über regionale und internationale Ordnungspolitik im Bereich der Landwirtschaft. Durch die Anwesenheit des Generaldirektors der Welthandelsorganisation (WTO) Pascal Lamy rückten die nach wie vor laufenden Handelsverhandlungen, einer deren zentraler Punkte die Landwirtschaft ist, bald in den Mittelpunkt.
Zum Abschluss dieses ideenreichen Tages unterstrich die Generaldirektorin der Weltbank Ngozi Okonjo-Iweala, dass es unerlässlich sei, mittels Entwicklungshilfe denen zu helfen, die heute Hunger leiden, dass man langfristig aber auch die Landwirtschaften der Entwicklungsländer effizient fördern müsse.
Eine Ansicht, die von Michel Barnier, Louis Michel und Mohamed Ibn Chabas, dem Generalsekretär der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Länder, geteilt wurde. Diese betonten zudem, wie wichtig die regionale Ebene für die Entwicklung konkreter Kooperationsmaβnahmen sei und dass Ressourcen geteilt werden müssten, um den gemeinsamen Herausforderungen wie Klimawandel, Desertifikation, Gesundheitskrisen usw. begegnen zu können. Die Bedeutung regionaler Ordnungspolitik und des Aufbau von Handelsbeziehungen zwischen Ländern gleichen Entwicklungsstandes wurde ebenfalls hervorgehoben.
- Aktualisiert am: 17.12.2008

